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20 Sep 2022

Madagaskar: Wenn sie älter werden, verlieren wir sie

Von 2015 bis 2018 waren Esther und Thomas nach Möglichkeit alle zwei Wochen in der Hauskirche in Ambalavato, einem ländlichen Dorf in Madagaskar.

Sie haben die Hauskirche begleitet und Impulse gegeben. Geleitet wurde sie immer vom einheimischen Ehepaar Fulgence und Nézilene. 12 Erwachsene waren es zu Beginn, Ende 2018 25 und aktuell etwa 35. Dass immer viele Kinder mit dabei sind, versteht sich von selbst. Vier aus der Hauskirche begannen im Nachbardorf mit einer neuen Hauskirche – heute sind dort etwa 35 erwachsene Gottesdienstbesucher.

Anfangs Jahr hat das Paar Esther und Thomas an ihrem neuen Wohnort besucht.

Was hat zum Wachstum in eurer Kirche beigetragen?
Die Hälfte unserer Hauskirche lebt ihren Glauben wirklich auch im Alltag. Dadurch sehen die Nachbarn aus dem Dorf, wie sie sich verändern. Das macht sie neugierig und so sind doch einige neu dazugekommen.

Wie führt ihr Neue im Glauben weiter, Fulgence?
Jedes Mal, wenn neue Leute den Gottesdienst besuchen, nehme ich mir Zeit, um mit ihnen auszutauschen. Ich plaudere einfach mit ihnen und säe auch Wort Gottes. Wenn sie mehrmals gekommen sind, lade ich sie ein, zu einem kleinen Bibelstudium mit Interessierten aus der Hauskirche zu kommen. Wenn sie ihr Leben Jesus übergeben, mache ich mit ihnen einen Taufvorbereitungskurs. Das trägt nicht zum Heil bei, aber sie wissen, was sie bei der Taufe bekennen und sie wachsen als junge Christen.

Video unten: Gottesdienst in der Hauskirche im Dorf Ambulavato

Was ist euer besonderes Anliegen und der Wunsch für eure Kirche?
Dass noch mehr Menschen vom Wort Gottes ergriffen werden und sie dies im Alltag umsetzen. Nur so können wir Menschen für Jesus gewinnen. Was nützt es, wenn ich Sonntag für Sonntag predige, aber die Menschen sich nicht verändern? Dies ist auch der Grund, warum in Analobe, dem Nachbardorf, die Hauskirche so stark gewachsen ist. Das Ehepaar dort lebt seinen Glauben im Alltag. Sie brennen für Jesus und ihre Leben haben sich zum Guten verändert. Das macht andere neugierig und interessiert und sie wünschen sich auch diese Veränderung in ihrem persönlichen Leben. Sie merken, dass es sich lohnt, mit Jesus zu leben.

Was sind eure speziellen Herausforderungen?
Wir haben immer sehr viele Kinder, 35-50. Die meisten sind von Eltern, die nicht in die Hauskirche kommen. ABER, wenn sie älter werden verlieren wir sie. Mit 12 Jahren müssen sie nach Mandritsara in die Schule, das heisst sie wohnen die ganze Woche dort. Die Eltern geben ihnen zwar jeden Sonntagabend mit, was sie brauchen: Reis, Kohle und etwas Geld für die Beilagen, aber ansonsten begleiten sie sie nicht mehr gross. Gerade in der Pubertät wären Gespräche, Aufklärung und Erziehung so wichtig, aber das fehlt meistens. Sie testen vieles aus und je älter sie werden, desto weniger kommen sie in den Gottesdienst. Wir wissen nicht, was wir machen könnten. Das macht uns traurig.

Wie ist das Zusammenleben von bekennenden Christen mit anderen Religionen im Dorf?
Wir leben gut nebeneinander. Schwierigkeiten gibt es aber öfters innerhalb der Grossfamilien, wenn zum Beispiel die, welche Christen geworden sind, bei der Totenumbettung nicht mehr mitmachen und sich auch an den Auslagen des Festes nicht beteiligen. Für Frauen mit ungläubigen Männern ist es fast nicht möglich, sich gegen Familiensitten und Bräuche zu stellen, deshalb beten wir, dass mehr Männer zum Glauben finden, denn dann werden die Frauen meistens auch gläubig und es gibt in der Kleinfamilie Veränderung. In solchen Situationen in unserer Grossfamilie ist es so, dass sie eine oder zwei Wochen wütend auf uns sind, aber dann beruhigen sie sich wieder, denn bei uns Madagassen ist der Familienfriede enorm wichtig. Manchmal müssen wir Christen aber auch Kompromisse eingehen. Unsere Familie baute ein neues Familiengrab, weil sie glaubt, das alte wäre mit einem Fluch besetzt. Wir hätten beim Bauen, dem Umbetten der Toten und bei der Finanzieren mithelfen müssen. Ich sah den Sinn nicht ein, denn das alte Familiengrab war noch in bestem Zustand. Dies führte aber dann zu einem grossen Krach, der angehalten hätte. Deshalb suchte ich beim Pastor in Madritsara nach Rat. Er riet mir meinen finanziellen Anteil beizutragen, aber gleichzeitig die Hilfe beim Bauen und Umbetten zu versagen. Natürlich waren meine Verwandten nicht glücklich und einige Zeit wütend, aber da wir uns finanziell beteiligten, gibt es wieder eine Art Familienfrieden.